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Wolfgang Maiworm, E-Mail: wolfgang@lebens-t-raeume.de, Website: www.wolfgangmaiworm.de
Liebe Leserinnen und Leser,
„Kirchen, Orden, Glaubensgemeinschaften“ heißt das Titelthema in diesem Monat. Unter dem Begriff „Glaubensgemeinschaften“ ordne ich auch die politischen Parteien, die Stammtisch-Brüder und -Schwestern, die verschiedenen Lobby-Interessengruppen, die außerparlamentarische Opposition und Verbände der unterschiedlichsten gesellschaftlichen Aufgaben ein.
Sie alle sind Teile der Vielfalt in einem Gefüge, das man Staat nennt. Sie alle vertreten Wahrheiten, die nebeneinander Platz haben wollen: im besten Falle zum Wohle des Ganzen. Je nach Interessengebiet und Bewusstseinsstand ergänzen und fördern sich die einzelnen in sich abgegrenzten „Glaubensgemeinschaften“ oder sie schließen sich aus und bekämpfen einander.
Ein übergeordneter Standpunkt könnte sich ergeben, wenn man die Weisheit eines Heraklit verstanden und im Alltag umzusetzen bereit wäre:
„Die verborgene Harmonie ist besser als die offensichtliche. Aus Zwietracht entsteht Eintracht, aus Missklang die höchste Harmonie. Erst durch dauernden Wandel kommen die Dinge zur Ruhe. Doch die Menschen sehen nicht, dass alles, was sich widerspricht, dadurch mit sich in Einklang kommt. Es liegt Harmonie im Widerstreit. Das zeigen zum Beispiel Bogen und Geige. Der Name des Bogens ist Liebe/Leben, doch sein Werk ist Tod.“
Wenn Du und ich jeweils eine Form quasi einer CD sind, auf der eine Lebensmelodie eingeprägt ist (Goethe: „das Gesetz, nach dem wir angetreten“), erfahren wir, dass dann, wenn wir die Melodie in ihrer Folgerichtigkeit bereit sind anzuhören, der einzelne Ton sterben muss.
Vor diesem Hintergrund ist klar, dass die sogenannte „demokratische Mitte“ bei den im September anstehenden Landtagswahlen in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt die Erfahrung machen muss, dass eine „geprägte Form, die lebend sich entwickelt“, nämlich in diesem Fall die jeweiligen Länder, den Widerspruch der Randgruppen nicht nur ertragen lernen muss, sondern als ein notwendiges Kriterium der „verborgenen Harmonie“ liebgewinnen darf.
Eine vordergründige Harmonie, die darauf zielt, Töne auszuklammern, die die AfD anschlägt, zerstört das Gesamtwerk, leugnet die Weisheit, dass alle Dinge mit allen Dingen verwoben sind und zu jeder Mitte die Integration von Linkem und Rechtem gehört.
Bleibt die Frage, ob die Mitte sich abgrenzen lässt in eine „demokratische Mitte“ und eine „undemokratische Mitte“. Dieses Konstrukt würde die „Mitte“ in ein Gut und Böse einteilen.
Ja, so sind wir geprägt: Wir sind es gewohnt, Partei zu ergreifen und einem Entweder-Oder zu dienen. Wir suchen Halt am Ufer der guten Demokraten und meiden das Ufer der Anti-Demokraten. CDU, SPD, GRÜNE gelten als gut, AfD, LINKE und BSW als böse. – Was aber ist der Fluss des Lebens? Er fließt an allen vorbei.
In der Tonfolge in Raum und Zeit hat eben alles und jedes SEINE Zeit – mal DUR, mal MOLL.
Deshalb bin ich für den Fluss. Ich möchte, dass der Zeitgeist, wie er JETZT ist, auch bei den anstehenden Wahlen nicht nur in Prozentzahlen abgebildet wird, sondern dass die Wertung wegfällt, ob der Wähler richtig oder falsch gewählt hätte, wenn er die „demokratische Mitte“ verlassen hat. Der Souverän ist das Volk. Und wenn man schon die Demokratie für die Staatsform hält, die die vermeintlich bessere gegenüber Autokratie sei, dann gehört es dazu, jene bewusst abzuwählen, die autokratisch handeln, aber Demokraten genannt werden wollen.
Diese Bigotterie darf aufhören! Stattdessen sollte der Widerspruch durchlebt werden, dass es einen sinnlosen Krieg gibt, aber auch sinnlosen Frieden.
Herzlichst,
Wolfgang Maiworm


